Zum 8. Mai

Der 8. Mai vor 75 Jahren brachte mit der Kapitulation von Nazi-Deutschland den Zusammenbruch des Unrechtsregimes, das Ende des verheerenden Krieges und die Befreiung Europas. Es war der größte Einschnitt in der deutschen Geschichte. Was der Tag bedeutete, darüber wird noch heute gestritten.
Drei von zahlreichen Stimmen dazu finden Sie hier:

René Schlott im Gespräch mit Vladimir Balzer

Max Czollek im Gespräch mit Axel Rahmlow

Ulrich Herbert im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Tag der Befreiung

Für die Überlebenden in den Lagern und die vom Regime Verfolgten brachte der Tag die Befreiung, auch wenn sie die Erinnerungen an das Grauen nie mehr los wurden.
Mit der Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai vor 35 Jahren haben auch die Deutschen, die dem Unrecht tatenlos zugesehen, sich daran beteiligt oder davon profitiert hatten, gelernt, den 8. Mai 1945 Tag als Tag der Befreiung zu verstehen.

Geburtsstunde der Erinnerungskultur

Aus dem Bemühen, Verantwortung für die nationalsozialistische Vergangenheit zu übernehmen, entstand die heutige Erinnerungskultur. Wenn sie nicht in Erinnerungsritualen erstarrt, trägt sie die Erfahrungen der Verfolgten als Appell zu demokratischer Wachsamkeit und humanem Engagement weiter. Doch noch immer werden in vielen Familien andere Erinnerungen erzählt. Die familiäre NS-Vergangenheit ist in der Regel tabu. Die Begeisterung, Konformität, Feigheit oder Ignoranz, mit der man sich in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft eingeordnet hatte, wurden verschwiegen. Der Effekt ist, dass nur wenige Nachgeborene wissen, was ihre Eltern und Großeltern im Krieg gemacht und erlebt, welche Lehren sie daraus gezogen haben.

„Opa war kein Nazi“

Trotz allen Studien und Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft und unabhängig von den vielen Zeugnissen der Überlebenden der Verfolgung lautet der Tenor der intergenerationellen Weitergabe der NS-Vergangenheit in den meisten Familien noch immer „Opa war kein Nazi“. Doch das Unbehagen daran bricht auf. Angehörige der zweiten und dritten Generation machen sich in Archiven, Seminaren und Selbsterfahrungsgruppen auf die Suche nach ihrer Familienvergangenheit, um das machtvolle Nachwirken des Nationalsozialismus zu durchbrechen.

Biographie-Workshop muss verschoben werden

Der für den 27. Juni angekündigte Biografie-Workshop wollte Gelegenheit und Anleitung für eine solche Auseinandersetzung mit der Familienvergangenheit bieten. Aus Rücksicht auf die aktuelle Gesundheitslage kann er zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht durchgeführt werden. Sobald Sicherheit über einen neuen Termin besteht, werden wir diesen bekannt geben. Über Nachfragen zu oder Interesse an dem Workshop freue ich mich aber schon jetzt. Sie erreichen mich unter benigna.schoenhageng@mx.de.

Das Ende der Zeitzeugenschaft

Ein wesentliches Korrektiv für das gängige Bild von der NS-Zeit waren die Zeitzeugen des Holocaust. Vielen leben nicht mehr. Bald werden die letzten von ihnen schweigen. Was das für unsere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bedeutet, das fragt die Ausstellung „Das Ende der Zeitzeugenschaft“, die das Jüdische Museum Hohenems gemeinsam mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg erarbeitet hat. Wir wollten sie gemeinsam anschauen. Doch da das Museum wie alle anderen Museen und Kultureinrichtungen im März corona-bedingt schließen musste, konnten wir die Fahrt nicht durchführen. Einen Einblick in die anregende Ausstellung bietet aber der Beitrag der Kuratorin Anika Reichwald im GedenkstättenRundbrief 197 vom 1. März 2020 Anika Reichwald
Ende der zeitzeugenschaft
 . Vielleicht regt er die eine oder den andern dazu an, nach Hohenems zu fahren. Das Museum öffnet wieder am 1. Juni, die Ausstellung ist dann bis zum 16. August zu sehen.

Mit vielen freundlichen Grüßen
Benigna Schönhagen