Weitere Erinnerungsbänder in Augsburg

Erinnerungsbänder in Augsburg

für Mitglieder der jüdischen Familien Englaender, Steinfeld und Einstein

Termin: Mittwoch, 28. Juni 2017, 14.30–16.30 Uhr und Donnerstag, 29. Juni 2017, 9.00–10.30 Uhr

Am 28. und 29. Juni werden auf Initiative der ErinnerungsWerkstatt Augsburg und des Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben in der Augsburger Innenstadt sowie im Stadtteil Kriegshaber weitere Erinnerungsbänder installiert, die an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern. Nach intensiven Diskussionen über angemessene Formen des Gedenkens an die Verfolgten und Ermordeten der NS-Zeit wurde in Augsburg eine Erinnerungskommission gegründet. Auf der Basis ihrer Empfehlung hat der Stadtrat Augsburg 2016 den „Augsburger Weg der Erinnerung“ verabschiedet. Er sieht mehrere gleichberechtigte Erinnerungszeichen vor. Momentan sind dies Stolpersteine im Boden und Erinnerungsbänder auf Augenhöhe, angebracht an Laternenmasten oder Pfosten von Verkehrsschildern.

Nach der Verlegung der ersten Stolpersteine und der Installation der ersten zwei Erinnerungsbänder am 4. Mai 2017, werden am 28. und 29. Juni fünf weitere Erinnerungsbänder gesetzt. Sie erinnern an Mitglieder der jüdischen Familien Englaender, Steinfeld und Einstein, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden oder in der Ausweglosigkeit ihrer Situation den Weg in den Freitod wählten. Die Installation der Erinnerungsbänder findet während des Treffens von Nachfahren von aus Augsburg vertriebenen Juden statt, zu dem das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben aus Anlass des hundertjährigen Synagogenjubiläums vom 25.–29. Juni 2017 eingeladen hat.

Knapp 100 Nachfahren Augsburger Juden werden dazu aus der ganzen Welt nach Augsburg reisen, um sich auf die Spuren ihrer Vorfahren zu begeben, unterstützt vom Jüdischen Kulturmuseum. Deswegen können die Erinnerungsbänder auch in Anwesenheit von Nachfahren der Familien Englaender, Steinfeld und Einstein am 28. und 29. Juni installiert werden. Im Folgenden finden Sie die genauen Zeiten der Installationen sowie Kurzbiografien derjenigen, an die erinnert wird.

Mittwoch, 28. Juni 2017, 14.30–16.30 Uhr

14.30 Uhr Annastraße 6: Paul und Hedwig Englaender

Dr. Paul Englaender (1884) und Hedwig Englaender, geb. Steinfeld (1891), heirateten 1914. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Elisabeth auf die Welt, 1919 Sohn Hans. Familie Englaender lebte in der Annastraße 6, in diesem Haus war auch die Zahnarztpraxis von Paul Englaender untergebracht. Das Ehepaar Englaender konnte ihre Kinder in den USA in Sicherheit bringen und wählte am 7. März 1943, einen Tag vor der angeordneten Deportation, den Freitod.

15.00 Uhr Bahnhofstraße 18 1/5: Hugo und Karolina Steinfeld

Hugo Steinfeld (1864) und Lina Steinfeld, geb. Heilbronner (1869) waren die Eltern von Hedwig Englaender, geb. Steinfeld. Hugo Steinfeld war ein wohlhabender Geschäftsmann und großzügiger Förderer des Synagogenbaus zwischen 1914 und 1917. Das Ehepaar Steinfeld ging am 6. November 1941 in den Freitod.

16.00 Uhr Ulmer Straße 185: Max, Johanna, Heinrich, Isak, Ida, Moriz und Lydia Einstein

Die Brüder Max (1876), Heinrich (1878), Isak (1884) und Moriz (1886) stammten aus der bekannten jüdischen Familie Einstein aus Kriegshaber, die ein Viehhandelsunternehmen betrieb. Max Einsteinheiratete 1938 Johanna Einstein, geb. Stern (1880). Das Ehepaar wurde am 2. April 1942 gemeinsam mit Heinrich Einstein und Camilla Einstein über München nach Piaski (heute Polen) deportiert und kam dort ums Leben. Isak Einstein heiratete 1912 Ida Einstein, geb. Schlossberger (1890), der Bruder Moriz ehelichte Lydia Einstein, geb. Seligmann (*1900). Beide Ehepaare wurden gemeinsam mit Herrmann und Mina Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Donnerstag, 29. Juni 2017, 9.00–10.30 Uhr

9.00 Uhr Ulmer Straße 121: Camilla Einstein

Camilla Einstein, geb. Stern (1880) war mit dem 1939 verstorbenen Samuel Einstein (1870) aus Kriegshaber verheiratet. Am 2. April 1942 wurde sie über München nach Piaski deportiert und kam dort ums Leben.

9.45 Uhr Ulmer Straße 139: Herrmann und Mina Einstein

Hermann Einstein (1880) und Mina Einstein, geb. Schlossberger (1889), heirateten 1911 und lebten in Kriegshaber, bis 1916 ein selbstständiger Ort. Hermann Einstein war Teilhaber des Viehhandelsunternehmens Gebrüder Einstein. 1916 wurde die Tochter Brunhilde geboren, die 1939 nach England emigrierte. Am 8. oder 9. März wurde das Ehepaar Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.