Erinnerung lebendig halten

10. Dezember 2018

„Erinnerung lebendig halten – Demokratie stärken“

Kurzbericht von der Tagung der Hanns-Seidel-Stiftung am 10.12.2018

90 Personen hatten sich angemeldet, nur etwa 50 sind gekommen. Für das Programm waren zwei Stunden angesetzt, das war eng – es fing verspätet an, Begrüßung und Referat Nerdinger dauerten länger als vorgesehen, und so blieb kaum Zeit für die Diskussion.

Prof. Winfried Nerdinger stellte die Münchener Entwicklung bis zur Entstehung des NS-Dokumentationszentrums dar, das auf dem Grundstück des „Braunen Hauses“ errichtet wurde. Der jahrzehntelange Verzicht auf eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt als „Hauptstadt der Bewegung“ habe dazu geführt, dass bis heute niemand nach München reise, um die NS-Geschichte zu begreifen: „Kein Mensch verbindet München mit Hitler.“ Stelen mit der Inschrift „Den Opfern des Nationalsozialismus“ dienten der Selbstviktimisierung – alle können sich als Opfer fühlen. Freud habe von Deck-Erinnerung gesprochen, die dem Vergessen diene. München als Täterort könne man nur durch Wissen vermitteln, durch Verknüpfen der Orte mit Inhalten, nicht durch ein Erlebnismuseum, sondern durch „helles Bewusstsein“ (Zitat Adorno).
Vom Podium aus sprach Karl Freller als Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten. Er betonte die Bedeutung des authentischen Orts, des emotionalen Zugangs (Zeitzeugen, auch deren Nachkommen): „Wissen allein ist nicht verhaltensändernd“, wichtig seien Empathie und Verantwortungsbewusstsein.

Auf dem Podium saßen auch ein Lehrer und eine Teilnehmerin aus Ebern in Unterfranken, die in einem P-Seminar ein Ausstellungsprojekt „Vergissmeinnicht – Das Schicksal von jüdischen Kindern im Dritten Reich“ gemacht haben und mit dem Simon-Snopkowski-Preis ausgezeichnet wurden. Eine Archi-varin hatte dem Lehrer reichhaltiges Material über jüdische Kinder der Region zur Auswertung überlassen. Die Wanderausstellung wurde inzwischen in 16 deutschen Städten und (übersetzt) in mehreren Ländern, darunter USA und Israel, gezeigt. Bundespräsident Gauck habe bei der Preisverleihung gesagt, „Man fällt nicht mehr zurück in frühere Verblödung“ – heute sei das aber nicht mehr sicher. Der Preis wird seit 2006 alle zwei Jahre in München vergeben. Ein Kurzvideo ist hier zu sehen
In der Diskussion wies ein Anwalt darauf hin, wie lange es gedauert hat, bis gerichtlich anerkannt wurde, dass auch ein KZ-Helfer schuldig ist – nur einer konnte noch rechtskräftig verurteilt werden.

Michael Friedrichs